IX.
Jahreswirtschaftstagung des IWIM:
09. – 10. November 2005
Wirtschafts-
und Beschäftigungspolitik in der Globalisierung
–
Spielräume
regionaler, nationaler und internationaler Akteure –
Zum
Hintergrund der Tagung:
Empfehlungen zur Überwindung
der Beschäftigungskrise kommen von allen Seiten und könnten widersprüchlicher
nicht sein. Beim Staat die Aufforderungen zu rigorosem Sparen und Steuererhöhungen
einerseits und Forderungen nach Beschäftigungsprogrammen andererseits, für die
Tarifparteien Lohnzurückhaltung zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
einerseits und Mindestlöhne zur Stützung der Konjunktur andererseits.
Verbraucher sind zur Stützung der Binnenkonjunktur gehalten, mehr zu
konsumieren, gleichzeitig sollen sie für das Alter mehr sparen.
Offen bleibt, wer beschäftigungswirksame
Maßnahmen ergreifen soll und wie diese aussehen könnten. Liegt die
Hauptverantwortung für die Beschäftigung bei den Tarifparteien, liegt sie beim
Nationalstaat, liegt sie zunehmend bei den Regionen oder sind alle in der
Globalisierung überfordert, so dass internationale Politikkoordination auf
europäischer oder globaler Ebene greifen muss? Wir nehmen das als
Gliederungsebene für die IX. Jahreswirtschaftstagung des IWIM und fragen, was
Bund, Länder und Kommunen sowie die Tarifparteien zur Überwindung der
Stagnation tun können und was eine internationale Politikkoordination zur Lösung
der Beschäftigungsprobleme beitragen kann.
Eingeladen sind
Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die aktuelle
wirtschaftspolitische Strategien aus regionaler, nationaler und internationaler
Sicht kontrovers diskutieren möchten.
Prof. Dr. Axel Sell
Institutssprecher und Tagungsleiter
Tagungsprogramm und
Präsentationen
Mittwoch,
den 09. November 2005
13:00
Uhr Empfang/Registrierung
und Ausgabe der Tagungsunterlagen
14:00
Uhr Eröffnung und
Begrüßungsansprachen
Prof. Dr. Axel Sell, IWIM, Institutssprecher und Tagungsleiter
Karin Röpke, Senatorin für Arbeit, Frauen,
Gesundheit Jugend und Soziales
Prof. Dr. Rolf W. Stuchtey, Vorstandsmitglied Bremer Gesellschaft für
Wirtschaftsforschung e.V.
14:30
Uhr Instrumente
nationaler Wirtschaftspolitik in der Globalisierung
Prof.
Dr. Andreas Freytag, Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der
Friedrich-Schiller-Universität,
Jena
15:15
Uhr Globalisierung und Beschäftigung
Dr.
Gustav Horn, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK),
Hans-Böckler-
Stiftung (HBS), Düsseldorf
16.00
Uhr Diskussion (Leitung: Prof. Dr. Axel Sell)
16.15
Uhr Kaffeepause
16.45 Uhr Unternehmensstrategien in der
Globalisierung
Prof. Dr. Michael Mirow, TU
Berlin, Institut für Technologie und Management, Fachgebiet
Strategische
Unternehmensführung,
ehemals Leiter der Zentralabteilung Unternehmensplanung
und -entwicklung, Siemens AG
17.15
Uhr Struktur und Flexibilität der Arbeitsbeziehungen
Dr. Steffen Lehndorff, Institut für Arbeit und Technik,
Gelsenkirchen
17.45 Uhr
Diskussion (Leitung: Prof. Dr. Gerhard Feldmeier, Hochschule Bremerhaven)
18.00
Uhr Ende des 1.
Tagungstages
19:00 Uhr
Empfang/Social
Gathering
Donnerstag,
den 10. November 2005
08:30
Uhr Empfang
09:00 Uhr
Zusammenfassung der Ergebnisse vom Vortag und Überblick über
den weiteren Verlauf
Prof. Dr. Axel Sell, Institutssprecher und Tagungsleiter
Die Verantwortung der Tarifparteien in der Globalisierung
09.15 Uhr
Tarifpolitik und Unternehmen in der Globalisierung
Ortwin Baum, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande
Bremen
09.45 Uhr
Tarifpolitik und Gewerkschaften in der Globalisierung
Dr. Dierk Hirschel, Chefvolkswirt des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), Berlin
10.15 Uhr Diskussion (Moderation: Prof. Dr. Hans-Heinrich Bass, Hochschule Bremen)
10.45 Uhr Kaffeepause
Die Verantwortung
nationalstaatlicher Polititk in der Globalisierung
11.15
Uhr Effektive
Wirtschaftspolitik der Nationalstaaten in der Globalisierung
Prof. Dr.
Ulrich van Suntum, Universität Münster
11.45 Uhr Alternativen einer
nationalen Beschäftigungspolitik
Prof. Dr. Axel Sell, IWIM, Institutssprecher und Tagungsleiter
12.15 Uhr
Diskussion (Moderation: Prof. Dr.
Karl Wohlmuth, IWIM)
12.45 Uhr
Mittagspause
Regionale
Beschäftigungspolitik in der Globalisierung
14.00 Uhr Strategien
und Instrumente regionaler Beschäftigungspolitik
Dr. Karsten Schneider, Forschungsförderung der Hans-Böckler-
Stiftung, Düsseldorf
14.45 Uhr
Diskussion (Moderation: Dr. Ralf Meyer, Leiter des Referates Wirtschaft
beim
Magistrat Bremerhaven)
15.15 Uhr Kaffeepause
Neue Formen internationaler Politikkoordination in der Globalisierung
15.45
Uhr Perspektiven einer
europäischen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik
Christian
Roth, Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen
16.15
Uhr Gibt es Auswege
aus der weltweiten Beschäftigungskrise
Wolfgang Heller, Direktor ILO Deutschland, Berlin
16.45 Uhr
Diskussion (Moderation: Prof. Dr. Karl Wohlmuth)
17.00 Uhr Podiumsdiskussion: „Handlungsspielräume zur Beschäftigungssicherung
im Zeichen
der Globalisierung“
Moderation: Theo Schlüter (Radio Bremen)
Teilnehmer:
Ortwin
Baum, Unternehmensverbände, Prof. Dr. Andreas Freytag, Universität
Jena, Wolfgang Heller, ILO, Dr. Dierk Hirschel,
DGB, Christian Roth, Universität Tübingen, Dr. Karsten Schneider, WSI,
Prof. Dr. Axel Sell, IWIMr.
18:00 Uhr Verabschiedung
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Tagungshintergrund
Die
Globalisierung der Weltwirtschaft bedeutet nicht nur, dass die Intensität der
zwischenstaatlichen Beziehungen sich in vielen ökonomischen Bereichen weiter
vertieft. Bedeutsam ist auch, dass es zu gravierenden Änderungen in Bezug auf
die Ebenen, Formen und Inhalte von Staatlichkeit kommt. Die Funktionsweisen des
Nationalstaates werden verändert, und die Steuerungsformen müssen in vielen
Bereichen und auf vielen Ebenen neu konfiguriert werden. So verfügt die
nationale Politik nicht mehr über ihre originären Steuerungsinstrumente wie
Geld- und Währungspolitik, und sie unterliegt auch in ihrer Haushaltpolitik von
außen gegebenen Zwängen. Sie
ist auch bei der Gestaltung anderer Instrumenten
der Wirtschaftspolitik, wie der Steuer- und Handelspolitik, der Struktur-
und Ordnungspolitik, immer mehr durch internationale Abkommen und durch Regeln
supra-nationaler Organisationen (EU, WTO) gebunden. Die Verlagerung von
nationalstaatlichen Aufgaben auf die internationale Ebene erfordert wiederum
eine Auseinandersetzung mit neuen Global-Governance-Strukturen.
Andererseits
verliert der Nationalstaat nicht nur Aufgaben und Kompetenzen, sondern muss in
einigen Bereichen auch verstärkt Aufgaben übernehmen, so die Sicherung der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit im intensiver gewordenen
Standortwettbewerb durch die Bereitstellung von Infrastruktur, von funktionsfähigen
Finanz- und Innovationssystemen und von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Für
die Unternehmen wiederum bedeutet das Fortschreiten des Globalisierungsprozesses
verstärkten Wettbewerb, einen schnelleren Wandel von Marktbedingungen und damit
die Notwendigkeit zur Verbesserung von Managementstrategien mit zunehmend
globaler Ausrichtung, eine Verbesserung von Controlling und Monitoring sowie der
Logistik entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das umfasst die Bezugsmärkten
über das produzierende Unternehmen selbst bis hin zu den Absatzmärkten. Durch
die zunehmende Internationalisierung und den internationalen Standortwettbewerb
hat sich auch das Kräfteverhältnis von mobilen und immobilen Faktoren verändert.
st
man sich bei der Analyse der Ausgangssituation noch relativ einig, so gehen die
Vorschläge zur Therapie weit auseinander: Beim Staat die Empfehlung Defizite in
Kauf zu nehmen einerseits und die Aufforderung zu rigorosem Sparen und zur
Haushaltsdisziplin andererseits. Der Bürger wird gefordert, zur Stützung der
Konjunktur mehr zu konsumieren, gleichzeitig soll er aber auch mehr arbeiten und
für das Alter sparen, niedrige Löhne sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit
erhöhen, höhere oder noch zu bestimmende Mindestlöhne sollen dafür sorgen,
dass die Binnennachfrage nicht wegbricht, widersprüchlicher könnten die Empfehlungen
zur Überwindung der Beschäftigungskrise nicht sein.
Empfehlungen
zur Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik gibt es viele. Auf der XI.
Jahreswirtschaftstagung des Institut für Weltwirtschaft und Internationales
Management (IWIM) der Universität Bremen wird die Frage der angemessenen
wirtschaftspolitischen Antwort auf der Ebene der Entscheidungsträger
diskutiert. Liegt die Verantwortung für die Beschäftigung bei den
Tarifparteien, liegt sie beim Nationalstaat, bei den Ländern und Kommunen und
was wird an Maßnahmen von diesen Ebenen konkret zur Überwindung der Krise
erwartet. Gibt es möglicherweise national überhaupt keinen Ausweg und ist
deshalb eine internationale Politikkoordination unverzichtbar? Wie kann diese
gegebenenfalls aussehen? Auf der am 09. und 10. November 2005 in Bremen
stattfindenden Tagung soll mit Wissenschaftlern, Experten und Praktikern
unterschiedlichster Couleur diskutiert werden, wie den wirtschaftspolitischen
Herausforderungen begegnet werden kann.
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