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November 1997: V. Jahreswirtschaftstagung
"Bremen im nationalen und internationalen
Standortwettbewerb"
November 1995: IV. Jahreswirtschaftstagung
"Geschäftspartner China"
Oktober 1995: Fachtagung
"China - eine Weltwirtschaftsmacht"
V. Jahreswirtschaftstagung
"Bremen im nationalen und internationalen Standortwettbewerb - Bestandsaufnahme
und Perspektiven"
... Bremen ist besser als sein Ruf! ... Die Chancen der Globalisierung nutzen!
Das Land Bremen im nationalen und internationalen Standortwettbewerb stand am
13. und 14. November 1997 im Mittelpunkt der V. Jahreswirtschaftstagung des
Instituts für Weltwirtschaft und Internationales Management (IWIM) im World
Trade Center Bremen. Über 160 Teilnehmer, darunter Wissenschaftler der
Universitäten Bremen und Augsburg, vom Institut für Weltwirtschaft Kiel, vom
Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung,
Wirtschaftspraktiker renommierter Binnen- und Buten-Bremer Unternehmen sowie
Vertreter aus Politik und Interessenvertretungen diskutierten über
Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Bremen im Kontext zunehmender
Globalisierung, dessen Stärken und Schwächen und schließlich über Strategien
zur Zukunftssicherung des Standortes.
In einleitenden Worten brachten die Eröffnungs- und Begrüßungsredner Prof.
Dr. Karl Wohlmuth, Sprecher des IWIM, Prof. Dr. Jürgen Timm, Rektor der
Universität Bremen, Josef Hattig, Senator für Wirtschaft, Mittelstand,
Technologie und Europaangelegenheiten, und Senatsrat Henning Stehli, Senator für
Häfen, überregionalen Verkehr und Außenhandel, die Relevanz der Tagung für
Bremen zum Ausdruck. Sie betonten die Dringlichkeit zu gemeinsamem Handeln und
gemeinsamen Lösungen zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Einhellige Meinung zu den Zukunftschancen Bremens vor dem Hintergrund der
Globalisierung war, daß die Situation für Bremen besser ist als die
verbreitete Stimmung. Bremen sollte die Herausforderungen der Globalisierung als
Chance aufgreifen und nicht als Gefahr betrachten.
Grundsätzlich kann die begrenzt räumliche Position eines Standortes wie Bremen
nicht losgelöst von internationalen oder globalen Einflüssen betrachtet
werden. Die Bedeutung zunehmender Globalisierung für Bremen scheint jedoch
vielen nicht klar zu sein. Globalisierung stellt für manche einen plötzlichen
„Umbruch" dar, andere sehen darin sogar eine Bedrohung. Es ist schließlich
mit einer Verschiebung von der Macht der staatlichen Regierungen hin zu den
Unternehmen zu rechnen, was eine Einschränkung des wirtschaftspolitischen
Handlungsspielraums impliziert.
Globalisierung wird jedoch zukünftig Staaten und nationale Wirtschaftspolitiken
verstärkt unter Wettbewerbsdruck setzen, wobei damit ein Potential der
verbesserten Effizienz erschlossen werden kann. Wirtschaftspolitische
Handlungsfelder der Zukunft, für mögliche Wege zu mehr Wachstum und Beschäftigung,
wurden vor allem in der Bildungs-, Wissenschafts- und Ausbildungspolitik
festgemacht. Es muß den Arbeitskräften die Fähigkeit vermittelt werden, sich
flexibel auf neue Tätigkeitsprofile umzustellen (neue Produktionstechnologien,
Dienstleistungstätigkeiten etc.). Zum anderen ist der effektive Aus- bzw. Umbau
der Wirtschaftsförderung notwendig, um eine effektive Wirtschaftspolitik zu
betreiben. In Zukunft wird immer stärker die Fähigkeit und Bereitschaft zur
Strukturanpassung darüber entscheiden, ob die Globalisierung eine Chance oder
Bedrohung darstellt.
Bremen verfügt über eine ausgeprägte industrielle Basis, vor allem in
technologisch höherwertigen Bereichen. Zusammen mit dem hohen Anteil der Außenwirtschaft
am bremischen Bruttoinlandsprodukt und dem hohen Anteil außenwirtschaftsbezogener
Dienstleistungen trage Bremen somit Kennzeichen einer weltmarktorientierten
Wirtschaft. Jedoch hänge die Wettbewerbsfähigkeit einer Region wie Bremen
langfristig weniger von der Leistung einzelner Produktionszweige ab, sondern von
der Effizienz sich bildender Wertschöpfungsketten in einem Raum. Insofern müsse
eine stärkere Einbindung von in Bremen ansässigen Unternehmen in die
regionalen Wirtschaftskreisläufe forciert werden.
Auch verfügt Bremen gemessen am Bundesdurchschnitt über einen überdurchschnittlichen
Anteil von Beschäftigten im gesamten Dienstleistungssektor. Ein großes Defizit
herrsche aber bei den Dienstleistungsunternehmen, insbesondere bei den
produktionsorientierten Dienstleistungen, und auch noch im Bereich Forschung und
Entwicklung.
Große Zukunftschancen für Bremen wurden im Logistik-Bereich gesehen. Die
Entwicklung Bremens als „Küstenstandort mit ausgebauter
Hafeninfrastruktur" und als Verkehrsknotenpunkt würde den Ausbau zu einem
internationalen Logistikzentrum ermöglichen. Der Trend zu höherwertigen
Transporten und der hohe Anteil an höherwertigen Stückgut-, Container- und
Autoumschlag in Bremen (im Vergleich zu Antwerpen und Rotterdam) machen eine
Konzentration auf den Ausbau und die Förderung der Logistik in Bremen sinnvoll.
Um eine Bündelung logistischer Kompetenzen zu erreichen, gibt es in Bremen seit
einiger Zeit die „Aktion Logistik Zentrum Bremen", mit der durch
Kooperationen und Allianzen aller am Logistikprozeß Beteiligten die Chancen in
Europa und weltweit besser genutzt werden sollen. Augenfällige Ausprägungen
dieser Aktion sind beispielsweise das Güterverkehrszentrum und die
City-Logistik, die Errichtung eines Textil-Zentrums (zur Bündelung logistischer
Kompetenz für die Textilbranche) oder die Empfangslogistik am Bremer Kreuz.
In der die Tagung abschließenden Podiumsdiskussion wurden die Handlungsfelder
einer bremischen Standortpolitik auf den Punkt gebracht. Hierbei wurden die Förderung
Bremens als Hafen-, Verkehrs-, Logistik- und Automobilstandort, eine bessere
Koordinierung von Förderprogrammen und -mitteln, eine stärkere
Marktorientierung wissenschaftlicher Forschung und bessere Umsetzung in der
Wirtschaft, die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und Förderung des
Mittelstandes, die stärkere Vernetzung Bremer Unternehmen mit Betrieben des
Umlandes sowie die Durchsetzung eines schlüssigen Stadtmarketings genannt.
Die Vertreter der bremischen Politik legten die bereits praktizierten Ansätze
der Wirtschaftspolitik zur Hebung der bremischen Standortqualität dar. Eine
wirtschaftspolitische Strategie müsse danach an den Stärken und Schwächen
eines Standortes adäquat anknüpfen, im Wettbewerb mit Wirtschaftspolitiken
anderer Regionen bestehen und sich an den vorhandenen Möglichkeiten
orientieren. Diesen Anforderungen folgend, wurde in Bremen bereits in den 80-er
Jahren das Wirtschaftsstrukturpolitische Aktionsprogramm (WAP) zur Verbesserung
der regionalen Wirtschaftsstruktur ins Leben gerufen. Eine Aufstockung der
Mittel erfuhr die bremische Standortpolitik durch das Investitionssonderprogramm
(ISP), durch das Investitionshilfen für Infrastruktur- und allgemein große
Projekte bereitgestellt werden.
„Bremen ist besser als sein Ruf!", so verlautete eine plakative
Beurteilung der Situation Bremens im nationalen und internationalen
Standortwettbewerb. Die Standortvorteile Bremens müssen jedoch von allen besser
genutzt und vom Stadtstaat besser eingesetzt, ausgebaut und kommuniziert werden.
Kommunikation über die Standortvorteile wird immer wichtiger!
Ein visionärer Vorschlag für eine gemeinsame Lösungsfindung ging in Richtung
der Vorbereitung und Gestaltung einer eigenen intensiven, interdisziplinär
besetzten sowie vorurteilsfrei und parteienunabhängig operierenden
Zukunftskonferenz. Mit seiner Überschaubarkeit und seinem Wissenschafts- und
Wirtschaftspotential böte Bremen hervorragende Vorraussetzungen, um
Zukunftsentwicklungen über alle Parteigrenzen hinweg zu initiieren.
Publikationen zur Tagung:
Wiegand, M./Wohlmuth, K., Bremen im nationalen und internationalen
Standortwettbewerb – Bestandsaufnahme und Perspektiven, LIT Verlag, Münster,
Hamburg u. a. 1998.
Wauschkuhn, M., Strukturwandel und standortpolitischer Handlungsbedarf im Land
Bremen, Materialien des Universitätsschwerpunktes „Internationale
Wirtschaftsbeziehungen und Internationales Management", 1998.
Wiegand, M./Wohlmuth, K., Bremen im nationalen und internationalen
Standortwettbewerb – Bestandsaufnahme und Perspektiven – Zentrale Thesen der
Referenten bei der V. Jahreswirtschaftstagung des Instituts für Weltwirtschaft
und Internationales Management, Materialien des Universitätsschwerpunktes
„Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Internationales Management",
1998.
Wiegand, M./Wohlmuth,K., 1998, Jahreswirtschaftstagung zur Stellung Bremens im
Standortwettbewerb, in: Berichte des Forschungsinstituts der Internationalen
Wissenschaftlichen Vereinigung Weltwirtschaft und Weltpolitik (IWVWW) e. V., 8.
Jg. (1998), Nr. 71.
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IV. Jahreswirtschaftstagung
Geschäftspartner VR China: Chancen und Risiken für den Handels- und
Investitionserfolg der deutschen Industrie
Am 16. und 17. November 1995 veranstaltete das Institut für Weltwirtschaft und
Internationales Management (IWIM) mit Unterstützung der Bremer Handelskammer, des
Senators für Häfen, über- regionalen Verkehr und Außenhandel sowie der Wolfgang
Ritter-Stiftung seine IV. Jahreswirtschafts- tagung. Über 150 Teilnehmer aus Wirtschaft
und Wissenschaft trafen an den beiden Tagen im World Trade Center Bremen zusammen, um sich
unter dem Motto "Geschäftspartner VR China" über die Chancen und Risiken für
den Handels- und Investitionserfolg deutscher Unternehmen im wirtschaftlich boomenden
"Reich der Mitte" zu informieren.
In ihren Begrüßungsansprachen verwiesen Prof. Dr.
Alfons Lemper (damals Sprecher des IWIM), Senatsrat Henning Stehli (Senator für
Häfen, überregionalen Verkehr und Außenhandel) sowie Bernd Hockemeyer (Vizepräses der
örtlichen Handelskammer) auf die in den letzten Jahren herausragende Dynamik des riesigen
chinesischen Marktes. Die mittlerweile mehr als 1,2 Milliarden Menschen zählende
Volksrepublik hätte in den letzten 15 Jahren durchschnittliche BIP-Wachstumsraten von
real 9 % p.a. erzielt, der Außenhandel und die ausländischen Investitionen vor Ort seien
in dieser Phase rasant angestiegen. Gleichwohl: Das bilaterale deutsch-chinesische
Handelsvolumen hätte im Jahr 1994 mit rund 25 Milliarden DM z.B.
nur etwa ein Viertel des deutsch-niederländischen Außenhandels betragen, der
Bestandsanteil deutscher Direktinvestitionen an den weltweit getätigten ausländischen
Investitionen in der VR China komme über 1 % nicht hinaus. Offensichtlich würden - neben
dem nach wie vor niedrigen chinesischen Pro-Kopf-Einkommen - erhebliche
Informationsdefizite oder auch konkrete Geschäftsrisiken dazu beitragen, die deutschen
Unternehmen von einem China-Engagement abzuhalten. Alle drei Vorredner verwiesen im
Vorgriff auf die praxisorientierten Tagungsinhalte darauf, daß die
Jahreswirtschaftstagung des IWIM einen wesentlichen Beitrag dazu leiste, durch eine
fundierte Chancen-Risiken-Abwägung die Transparenz im China-Geschäft zu erhöhen und
somit die Aussichten für den Geschäftserfolg der hiesigen Unternehmen zu verbessern.
Arbeitssitzung der IV. Jahreswirtschaftstagung 1995
Im Anschluß erläuterten Dr. Sebastian Heilmann (Institut für Asienkunde, Hamburg)
und Dr. Anton Gälli (ifo Institut, München) die politischen und raumökonomischen
Rahmenbedingungen für die China-Aktivitäten deutschen Unternehmen (Diskussionsleiter:
Prof. Dr. Alfons Lemper). Dr. Heilmann räumte mit drei Zerrbildern auf: Statt politischer
Erstarrung des Systems bescheinigte er ihm ein großes Maß an Einheit und statt
wirtschaftlicher und politischer Desintegration konstatierte er neue kaskadenartige
Strukturen einer abgestuften Hierarchie, welche einen Föderalismus ermöglichen könnten.
Gefährdungs-faktoren für die Stabilität des politischen Systems sah Dr. Heilmann in der
exzessiven Wirtschaftsdynamik, sozialen Spannungen und institutionellen Problemen, welche
zu seiner Überlastung führten. Stabilitätsfaktoren des bestehenden Systems seien das
Machtmonopol der kommunistischen Partei, der Zusammenhalt der zentralen Parteiführung und
die Angst vor dem Chaos. In der VR China sei auf absehbare Zeit nicht mit einem
politischen Ordnungs-zusammenbruch sowjetischer Couleur zu rechnen, so aber doch mit
zunehmenden regionalen Autonomisierungs- und sozioökonomischen Divergenzentwicklungen. In
China engagierte ausländische Firmen würden demnach in vielleicht noch stärkerem Maße
als heute mit politischen Risiken und regional sehr unterschiedlichen Handels- und
Investitionsbedingungen rechnen müssen. Dr.Anton Gälli verdeutlichte, daß die
Integration des großchinesischen Wirtschaftsraumes in vollem Gange sei: Auf
institutioneller Ebene stünde die Vereinigung Hongkongs (1997) und Macaos (1999) mit dem
Festland bevor, das Zusammenwachsen mit Taiwan vollziehe sich über die Handels- und
Produktionsverflechtung dagegen auch in den kommenden Jahren wohl nur auf funktioneller
Weise. Die Beweggründe der Integration seien in der Geschichte Chinas verankert, es gehe
um die Restaurierung einer alten Einheit, und es seien im wesentlichen nationalistische
Schubkräfte, die den Anstoß zu "Großchina" geben. Auch die wirtschaftlich ein
bedeutendes Potential bildenden Auslands-chinesen schlössen sich aus partriotischen und
geschäftsstrategischen Gründen diesem Trend an. Das "Großchina" von morgen
müsse eine Vielfalt einzelner Bestandteile in sich vereinigen, wobei nach Dr. Gälli eine
"allchinesische Föderation" am besten geeignet scheint, ein Gleichgewicht
zwischen zentri-fugalen und zentripetalen Tendenzen herzustellen.
Am 17. November standen dann die unmittelbaren unternehmerischen Belange im Hinblick
auf den Außenhandel sowie die Direktinvestitionen im Mittelpunkt der Diskussion. Im
Rahmen des von Prof. Dr. Karl Wohlmuth (IWIM)
moderierten Themenblocks "Außenhandel" zeigte Dr.
Hans-Heinrich Bass (Arbeitsbereich Chinaforschung
im IWIM) die aktuellen Entwicklungen und Perspektiven im China-Handel auf. Gestützt
auf umfangreiches Datenmaterial entwickelte Dr. Bass ein detailliertes Im- und
Exportprofil der VR, ging auf Instrumente der Importlenkung und Exportförderung ein und
beschrieb die strategischen Reaktionen der Außenhandelspartner. Im Anschluß referierte
Ralf Marohn (Fernost Beratungs- & Handels GmbH, Ludwigshafen) über die Besonderheiten
und Probleme der Geschäftsanbahnung im chinesischen Im- und Exportgeschäft. Dirk von der
Wettern (C. Melchers GmbH & Co.) teilte seine persönlichen Erfahrungen bei der
Anbahnung und Abwicklung von Handelsgeschäften mit der VR China mit. Beide Praktiker
stimmten darin überein, daß deutsche Exportunternehmen im internationalen
Wettbewerbsvergleich sehr gute Chancen besäßen, auf dem chinesischen Markt zu
reüssieren. Die auf hochwertige Investitions- und Konsumgüterprodukte spezialisierte
deutsche Exportwirtschaft biete eine Güterpalette an, die sich mit dem dynamischen
"upgrading" der chinesischen Importnachfragestruktur weitgehend decken und zudem
bezüglich ihrer Qualität ein hohes Ansehen in China genießen würde. In Zukunft könne
damit gerechnet werden, daß die chinesische Importnachfrage aufgrund des
binnenwirtschaftlichen Wachstums weiterhin stark ansteige. Begünstigt würde dieser
Prozeß dadurch, daß die bestehenden chinesischen Importbarrieren im Zuge der
angestrebten WTO-Mitgliedschaft des Landes zumindest mittelfristig zu reduzieren seien. Im
Importgeschäft sollte die Chance wahrgenommen werden, durch einen kostengünstigen Bezug
von in China produzierten Vorprodukten die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Industrieunternehmen zu stärken (Stichwort: Mischkalkulation) und damit letztlich auch
heimische Arbeitsplätze zu sichern. Wie das Exportgeschäft unterliege auch der Import
chinesischer Produkte zahlreichen protektionistischen Beschränkungen, wobei hier jedoch
in den etablierten OECD-Industriestaaten ein Trend zur Marktabschottung gegenüber
chinesischen Waren festzustellen sei. Als kritische Stelle im Import-geschäft gelte
insbesondere das als mangelhaft eingeschätzte Qualitäts- und Lieferserviceniveau
chinesischer Hersteller.
Den Themenblock "Direktinvestitionen", der von Prof. Dr. Axel Sell (IWIM) moderiert wurde, eröffnete
Reinhard Geissbauer (Management Consulting MCC, Regensburg/Berlin) mit einer
Charakterisierung von Direktinvestitionen in der VR China als "Drahtseilakt zwischen
Chaos und Erfolg". Danach richtete Prof. Dr. Armin Bohnet (China-Forschungszentrum an
der Universität Gießen) den Fokus auf die VR China als Produktionspartner und
Absatzmarkt für mittelständische Unternehmen. Abschließend berichtete Dr. Luling Lo
(Ospig Textil Gesellschaft, Bremen) über seine landesspezifischen
Produktions-erfahrungen. Auch in diesen drei Vorträgen war eine gemeinsame Linie deutlich
erkennbar: Vor einem erfolgreichen Investitionsengagement in der VR China müsse eine
äußerst präzise, nüchterne Marktanalyse stehen. Auch China sei eben kein Eldorado; vor
einer regelrechten China-Euphorie müsse gewarnt werden. Verschiedene Sparten des
Maschinenbaus, die Energieerzeugung, die petro-chemische Industrie, die Elektroindustrie,
die Chemiefaserproduktion, die Stahl-industrie und der Kraftfahrzeugsektor wiesen ebenso
wie der große Bereich der Verkehrsinfrastruktur erhebliche Wachstumspotentiale auf. Trotz
der vielfältigen Probleme, die mit der Produktion vor Ort verbunden seien (z.B.
exzessiver Bürokratismus, schwierige Verhandlungs- und Mitarbeiterführung, umständliche
Personalakquisition, lange Amortisationszeiten, niedrige Arbeitsproduktivität,
unzureichendes Qualitätsbewußtsein, ungehemmte Verletzung geistiger Eigentumsrechte,
schlechte Verkehrs-/Energie-/Telekommunikationsinfrastruktur, rechtliche Unwägbarkeiten),
sollte die VR China von den innovativen deutschen Unternehmensführern als
Produktionsstandort nicht vernachlässigt werden. Das wirtschaftliche Potential der
Volksrepublik sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft, das "Reich der Mitte" sei
als Zukunftsmarkt noch nicht in seinem Zenit. Die in den OECD-Ländern beheimateten
Unternehmen hätten sich darauf einzustellen, daß die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert
nicht mehr nur von den Regeln des Westens bestimmt würde.
Nach der Beendigung der Tagung im World Trade Center wurden die Teilnehmer von
Staatsrat Gerd Markus (Senator für Häfen, überregionalen Verkehr und Außenhandel) zu
einem Stehempfang in das Bremer Rathaus geladen. Staatsrat Markus verwies auf die
Bedeutung des Außenwirtschaftsverkehrs für die Freie Hansestadt Bremen und die wichtige
Funktion, die dabei einem praxisorientierten Wissenschaftstransfer zukäme. Dafür hätte
die IV. Jahreswirtschaftstagung des IWIM ein hervorragendes Beispiel gegeben.
Berichterstattung: Manfred M. Gößl
Publikationen zur Tagung:
Gößl, M.M./Lemper, A. (Hrsg.): Geschäftspartner VR China. Chancen und Risiken für den
Handels- und Investitionserfolg der deutschen Industrie, Institut für Weltwirtschaft und
Internationales Management, Bd. 4, LitVerlag, Münster 1996.
Gößl, M.M./Lemper, A.: Geschäftspartner VR China - Chancen und Risiken für den
Handels- und Investitionserfolg der deutschen Industrie -, Extrakt der IV.
Jahreswirtschaftstagung des Instituts für Weltwirtschaft und Internationales Management,
Institut für Weltwirtschaft und Internationales Management (Hrsg.), Materialien des
Universitätsschwer- punktes "Internationale Wirtschafts-beziehungen und
Internationales Management", Bd. 8, Universität Bremen 1995.
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Fachtagung
"China Weltwirtschaftsmacht" des Arbeitsbereichs
Chinaforschung im Institut für Weltwirtschaft und Internationales Management
Die zweitägige Arbeitstagung im Oktober 1995 behandelte Chinas weltwirtschaftliche
Rolle, insbesondere (A) im Außenhandel (Moderation: Prof.
Dr. A. Lemper), (B) als Empfängerland ausländischer Direktinvestitionen (Moderation:
Prof. Dr. A. Sell), (C) in bilateralen Beziehungen
zu anderen Weltwirtschaftsräumen (Moderation: Prof.
Dr. K. Wohlmuth) und (D) als Teilnehmer in internationalen Finanz- und
Wirtschaftsorganisationen (Moderation: Dr. H.-H. Bass).
Die Tagung wurde unterstützt durch den Ostasiatischen Verein Bremen e.V..
(A) Die Volksrepublik China zählt mittlerweile zu den größten Welthandelsnationen,
der Außenhandel ist Zugleich ein wichtiger Motor der chinesischen Binnenwirtschaft.
(A.1) Hans-H. Bass (Bremen) argumentierte in seinem Referat, daß sich die chinesische
Wirtschaftspolitik zu einer lenkenden Förderung der Exporte gezwungen sehe, um
Absorptionshemmnisse und Zugangsbeschränkungen auf Zielmärkten zu überwinden. Umgekehrt
seien tarifäre und nicht-tarifäre Instrumente zur Steuerung der Importe in den letzten
Jahren zwar zunehmend abgebaut worden, dennoch könne China noch nicht als offene
Volkswirtschaft bezeichnet werden. Schließlich analysierte der Referent die Gesamtwirkung
der chinesischen Außenhandelspolitik und wies auf Ineffizienzen
und konträre Wirkungen einzelner Maßnahmen hin: die Überwindung dieser Widersprüche
sei eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Erfolg des chinesischen Außenhandels.
(A.2) Wolfgang Taubmann (Bremen) untersuchte in seinem Beitrag die Rolle der
kollektiveigenen ländlichen Industrieunternehmen im Außenhandel. Durch die
ordnungspolitischen Reformen wurde ein Unternehmenstypus kreiert, der neben den
sino-ausländischen Joint Ventures entscheidender Motor der wirtschaftlichen Dynamik ist:
über 50% trugen private und kollektive Unternehmen zum Bruttoproduktionswert 1994 bei,
unter diesen Unternehmen waren 80% im ländlichen Bereich angesiedelt. Eine parallele
Entwicklung sah Taubmann in der Außenwirtschaft: etwa ein Drittel des Exportumsatzes der
Volksrepublik China 1994 wurde von ländlichen Unternehmen erwirtschaftet.
(B) China ist gegenwärtig eines der wichtigsten Zielländer für
grenz-überschreitende Kapitalzuflüsse. Die bisherigen Vereinbarungen über
Direktinvestitionen lassen ein Anhalten dieser Entwicklung erwarten. Dies zeigt
insbesondere die immer noch steigenden Absatzerwartungen, die international operierende
Unternehmen auf dem am schnellsten wachsenden Markt der Welt hegen, und die Einbeziehung
Küstenchinas in langfristige Produktionskalküle transnationaler Konzerne.
(B.1) Sabine Johannsen (Hannover) wies in diesem Zusammenhang in ihrem Referat darauf
hin, daß China ausländische Direktinvestitionen gegenüber anderen Formen der
Kapitaleinfuhr begünstigte, einerseits um die Volkswirtschaft nicht übermäßig zu
verschulden, andererseits um die deutlicheren Vorteile des inkorporierten
Technologietransfer zu nutzen. Wichtigste Herkunftsgebiete der Investitionen sind vor
allem Hongkong/Macao und Taiwan - sie tragen zu mehr als 60% zum Investitionsaufkommen in
Festlandchina bei. Als mögliche negative Faktoren für die Investitionsbereitschaft
westlicher Unternehmen führte die Referentin insbesondere politische Faktoren an - die
künftigen Rollen Hongkongs und Taiwans sowie die innenpolitische Situation Chinas seien
dabei die gewichtigsten Punkte.
(B.2) Ergänzend wurde darauf hingewiesen, daß anders als bei der Absatzseite auf der
Produktionsseite Chinas relative Standortvorteile sich in Zukunft eher verschlechtern
werden: steigende Lohnkosten, noch fehlende Sekundärqualifikationen der Arbeitskräfte,
hohe Regulierungsdichte und mangelnde Rechtssicherheit sind Faktoren, die
rentabilitätsorientierte ADI verhindern. In diesem Kontext war der Beitrag von Tamio
Shimakura (Toyohashi) aufschlußreich. Der Referent diskutierte einige Kriterien der
Standortwahl für japanische Direkt-investitionen in China. Bislang seien vor allem die
südlichen Küstenprovinzen Chinas Ziel japanischer Direktinvestitionen gewesen unter
Ausnutzung der eher privaten, dörflichen Kleinindustriestruktur des Südens. Es ist
jedoch seit Beginn der achtziger Jahre eine Verschiebung des Schwerpunktes der
Direktinvestitionen nach Norden hin erkennbar, die sich insbesondere durch das dort weit
niedrigere Lohnniveau erklären läßt.
(B.3) Japanische Unternehmen tätigen etwa 7 % aller Direktinvestitionen in China,
während der Anteil deutscher Unternehmen bei unter einem Prozent liegt. Andreas Foerster
(Berlin) verglich in seinem Referat das Vorgehen japanischer Unternehmen und die Strategie
des japanischen Staates mit dem deutschen Vorgehen. Unter Federführung des MITI sei in
Japan ein Konzept entwickelt worden, in dem die Kosten- und Standortvorteile der
asiatischen Regionen optimal für die japanische Wirtschaft genutzt werden sollten. Im
Fall Chinas hieße dies die Auslagerung der arbeitsintensiven Produktion aus Japan nach
China, um die Lohnkostenvorteile zu nutzen und um zugleich den Druck auf japanische
Unternehmen zu erhöhen, ein technisches upgrading zu vollziehen. Zu diesem Zweck würden
unterschiedliche Maßnahmen kombiniert, z.B. die Förderung von Direktinvestitionen, die
Entwicklungs-zusammenarbeit und die Handelsförderung - Bereiche, in denen auch die
deutsche Außenwirtschaftspolitik Defizite eingesteht.
(B.4) Direktinvestitionen unter dem Aspekt der Beschäftigung betrachtete Holger Heide
(Bremen), indem er die koreanischen Direktinvestitionen in China und die Situation
chinesischer Beschäftigter in Korea analysierte. Das koreanische Wirtschaftswachstum
führe zunehmend zu dem betriebswirtschaftlichen Problem, Arbeitskräfte im
Niedriglohnbereich zu rekrutieren. Um in diesen "3D"-Bereichen (dirty,
difficulty, dangerous) weiter produzieren zu können, böten sich zwei Lösungswege an:
Direktinvestitionen z.B. in China, um den entsprechenden Teil der Produktion dorthin
auszulagern, oder aber die Beschäftigung z.B. chinesischer Migranten in Korea. Der erste
Weg werde meist von größeren Unternehmen beschritten, während der zweite Weg eher für
kleine und mittlere Unternehmen gangbar sei, die auch nicht über das notwendige Know-How
und Kapital verfügten. Für die verarbeitende Industrie Koreas sei China das wichtigste
Zielland für ADI.
(B.5) Monika Schädler und Andrea Gutermuth
(Bremen) untersuchten das Agieren der (westlichen) ausländischen Unternehmen auf dem
chinesischen Arbeitsmarkt. Gekennzeichnet sei der chinesische Arbeitsmarkt - der erst
entstehen konnte beim Übergang vom System der quasi-lebenslangen Beschäftigung zu
formellen Arbeitsverträgen - durch ein Überangebot an Arbeitskraft. Dieses zeige sich
weniger in der offenen, als vielmehr in der versteckten Arbeitslosigkeit und in dem
Ausmaß der Unterbeschäftigung in den Betrieben. Ausländische Unternehmen, die
zusätzlich auch noch durch höhere Löhne und besseres Image attraktiv wären, konnten
dadurch in früheren Jahren unter einer Vielzahl von meist überqualifizierten Bewerbern
auswählen. Diese für die ausländischen Unternehmen günstige Ausgangssituation änderte
sich jedoch im Verlauf der 90er Jahre teilweise, da jetzt einerseits rein-chinesische
Unternehmen nach Produktivitätszuwächsen ebenfalls höhere Löhne zahlen könnten,
andererseits ausländische Konzerne weiterhin expandierten, was zu einer erhöhten
Nachfrage nach spezialqualifizierten Arbeitskräften führte.
(C) Im dritten Teil der Tagung wurde die Bedeutung der festlandchinesischen
Volkswirtschaft für andere Weltwirtschaftsräume untersucht.
(C.1) An prominenter Stelle ist hier zunächst der "großchinesische"
Wirtschaftsraum (GWR) zu berücksichtigen: die Verbindung der Ökonomien Südchinas,
Hongkongs und Taiwans (und der Überseechinesen in Südostasien). Zhong Hong (Gießen)
zeigte in seinem Referat, daß kein formelles Kriterium für wirtschaftliche Integration
erfüllt ist. Nicht nur scheinen die Wirtschaftssysteme inkompatibel, sondern es fehlen
sogar weitgehend wirtschaflich-administrative Kontakte zwischen der VR China und Taiwan.
Dennoch seien die realen Verflechtungen im Handel und bei den Direktinvestitionen sehr
intensiv. Wesentliche Motoren bei der Integration seien nicht die Regierungen, sondern
Unternehmen, die die kostengünstige Produktion in China nutzen wollten. Allerdings
führte Hong auch einige Faktoren auf, die künftig die Dynamik der Integration abbremsen
könnten. Dazu gehöre das wachsende Engagement von Unternehmen anderer Länder in China,
das die Aktivitäten Hongkongs und Taiwans relativiert, ebenso wie die fehlende politische
Unterstützung des Integrationsprozesses.
(C.2) Die europäisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen untersuchte Margot Schüller
(Hamburg) in ihrem Beitrag. Sie berichtete von den verschiedenen Anstrengungen, die die
EU-Kommission zur Unterstützung der Unternehmen der Mitgliedsländer entfaltet habe.
Gegen die Erfolge im Handel, trotz einer wachsenden Konkurrenz in den Kernbereichen,
erscheine die Bilanz bei den Direktinvestitionen weniger glänzend. Schüller sah den
Grund in einer generellen Zurückhaltung der europäischen Unternehmen in der Region Asien
und in der Vielzahl von mittelständischen Unternehmen in der EU, denen einerseits oft das
notwendige Kapital fehle, andererseits eine ausreichende Kenntnis der dortigen
Verhältnisse. Die Politik der Europäischen Union habe im Verlauf des
Integrationsprozesses die unterschiedlichen Handelspolitiken der einzelnen Mitgliedstaaten
gegenüber China vereinheitlicht. Für den Importbereich gelte diese Entwicklung als
bereits abgeschlossen, während es für den Exportbereich noch unterschiedliche nationale
Förderung gebe.
(C.3) Matthias Bauermeister (Ebenhausen) untersuchte in seinem Referat den
außenwirtschaftspolitischen Handlungsrahmen Chinas und fragte nach den Hemmnissen und
Perspektiven, die diese Struktur vorgibt. Dominant sei die wirtschaftliche Großmacht
Japan, die auch im Referenzmodell der "Fluggänse" die Führung inne hat. Die
transpazifische Arbeitsteilung sei auf Japan zugeschnitten, Japan ist auch der wichtigste
Lieferant für die Länder Ostasiens inklusive Chinas. Japan bezieht Primärgüter
hauptsächlich aus den ASEAN-Staaten, während es sich selbst auf Produktion und Export
von technologieintensiven Konsum- und Investitionsgütern konzentriere. Die USA führten
1988 mehr Industrieprodukte aus den asiatischen Schwellenländern und Japan ein als sie
dorthin exportierten. Das Schema der transpazifischen Arbeitsteilung spiegele sich auch in
den Direktinvestitionen Japans wider.
(D) Parallel zur Einbindung in die Weltwirtschaft über Handel, Produktion und
Arbeitskräfteaustausch hat sich die Volksrepublik auch als respektierter und
verläßlicher Partner in das internationale System der Wirtschafts- und
Finanzorganisationen eingebunden. Schon seit 1980 ist China beispielsweise Mitglied der
Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, es wurde Mitglied der Asian Development
Bank und Teilnehmer der APEC. Eine wesentliche Ausnahme bildet bisher das GATT bzw. die
Welthandelsorganisation WTO.
(D.1) Andreas Oberheitmann unterschied in seinem Referat das Interesse der chinesischen
Seite am Beitritt zu WTO und GATT in politische und wirtschaftliche Gründe. Die
wirtschaftlichen Gründe lägen vor allem in der erwarteten Steigerung des Exportvolumens
begründet, da der Status als GATT-Vertragspartei die Meistbegünstigung im Grunde mit
sich bringen und ebenso wie die WTO-Mitgliedschaft den anderen Mitgliedern die Einführung
protektionistischer Maßnahmen erschweren würde. Das politische Interesse Chinas liege in
der internationalen Anerkennung als Welthandelsmacht begründet; ein weiterer Faktor ist
die damit verbundene Möglichkeit zur Mitgestaltung der Welthandelsorganisation. Auch von
seiten der Industrieländer gebe es Interesse, China in die Welthandelsorganisation
einzubinden. Einerseits werde eine Ab-schwächung der chinesischen Exportförderung
erwartet, andererseits ein besserer Zugang zum chinesischen Binnenmarkt. Die meisten
Vorteile durch die Integration Chinas in die Welthandelsorganisation erwartet Oberheitmann
- außer für China selbst - für die Schwellen- und Entwicklungsländer, da beide
Ländergruppen am meisten vom Abbau der tarifären und nicht-tarifären Handelshindernisse
profitieren würden. Für die Industriestaaten gelte dies nicht in dem gleichen Maße, da
sie schon eine Reihe von bilateralen Handelsabkommen abgeschlossen hätten und China wohl
auch in bilateralen Vereinbarungen die gegebenen Zugeständnisse wieder abringen würden.
Die Hoffnung der Industrie-staaten auf einen steigenden Export von Konsumgütern müsse
ebenfalls gedämpft werden, da es hier ideologische Widerstände gebe, die notwendigen
Einkommen nicht ausreichend vorhanden seien und die bestehende Nachfrage zunehmend aus der
Binnenproduktion befriedigt werde.
(D.2) Die Integration Chinas in das internationale Währungs- und Finanzsystem
betrachtete Karl Wohlmuth (Bremen) in seinem Referat. Seit 1980 hätte China das nationale
Währungs- und Finanzsystem erheblich verändert und damit auch die Bedingungen für
ausländische Investoren verbessert. Friktionen ergäben sich jedoch insbesondere noch
durch unklare Eigentumsrechte. Chinas Zugang zu den internationalen Finanz-institutionen
und Finanzmärkten hätte rasch erreicht werden können und China sei zu einem der
bedeutendsten Kreditnehmer unter den Entwicklungsländern geworden. Ebenfalls als
frühzeitig eingeleitet und weitgehend erreicht sieht Wohlmuth die Öffnung des
chinesischen Finanzsystems für ausländische Banken und die internationale
Finanzindustrie sowie die Internationalisierung der chinesischen Finanz-institutionen.
Hingegen stehe die Internationalisierung der chinesischen Finanzmärkte noch am Anfang, so
daß wichtige Funktionen nicht erfüllt würden. Das Potential von China als einem
"global player" sah der Referent als hoch an, vor allem auch in Hinsicht auf die
Integration Hongkongs, auf den chinesischen Wirtschaftsraum als Wirtschafts- und
Finanzmacht mit entsprechenden Devisenreserven und nicht zuletzt in Hinsicht darauf, daß
China zunehmend die Politik der internationalen Institutionen mitbestimmen werde.
Berichterstattung: Hans-H. Bass und Markus Wauschkuhn
Publikation zur Tagung:
Bass, H.-H./Wohlmuth, K. (Hrsg.): China in der Weltwirtschaft, Hamburg 1996.
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